Die anterograde Gedächtnisstörung ist von allen Formen der Gedächtnisstörungen die häufigste und zugleich auch bedeutendste. Die Betroffenen können neue Informationen nicht mehr so gut aufnehmen wie früher oder bekannte Informationen nicht abrufen. Klassische Beispiele für Dinge, an die sich die Patienten nicht mehr erinnern können sind zum Beispiel Namen, Ereignisse oder frische erworbenes Sachwissen. Menschen mit retrograder Gedächtnisstörung vergessen diese Dinge sehr schnell. Sie tritt als Begleiterscheinung vieler neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen auf. Schlaganfälle, Hypoxien und Durchblutungsstörungen sind einige der möglichen Ursachen. Schon in dem frühen Demenzpatienten finden sich anterograde Gedächtnisstörungen. Sind diese Störungen schwerwiegend, werden sie auch anamnesisches Syndrom genannt. Um einen exakten Nachweis zu erhalten, muss man standardisierte neurologische Tests zur Hilfe nehmen.

Retrograde Gedächtnisstörung

Retrograde Gedächtnisstörungen bezeichnen die mangelnde Fähigkeit, sich an Dinge zu erinnern, die vor dem Auftreten der Erkrankung geschehen sind bzw. an die man sich vor der Erkrankung erinnern konnte. Das unterscheidet sie von der anterograden Gedächtnisstörung, in der die Probleme bei neueren Informationen und Geschehnissen auftreten. Bereits im Jahr 1882 wurde entdeckt, dass bei Gedächtnisstörungen der Faktor des Zeitgradienten eine große Rolle spielt. Je größer der Zeitraum zwischen dem Zeitpunkt der Erkrankung und den vorherigen Geschehnissen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Patient daran erinnern kann. Die retrograde Gedächtnisstörung kann sogar Ereignisse aus dem Gedächtnis unzugänglich machen, die viele Jahre vor dem Auftreten der Krankheit geschehen sind. Das kann zu einem wesentlichen Verlust des Ich-Bewusstseins führen, seine Identität bleibt allerdings intakt. Die Patienten können sich häufig an Dinge, wie ihren Geburtstag und ihren Namen erinnern. Es sind eher autobiographische Erlebnisse die vergessen werden. Begriffliches, berufliches und allgemeines Wissen bleibt bei der retrograden Amnesie unangetastet.

Semantische Gedächtnisstörungen

Die semantische Gedächtnisstörung betrifft Inhalte, die über eine lange Zeit im Gedächtnis erhalten bleiben. Dinge wie das Allgemeinwissen, Fachwissen begriffliche Beziehungen und Wortbedeutungen werden vergessen. Die Erinnerungen an Geschehnisse, wie zum Beispiel die Erinnerung an den Urlaub, bleiben unberührt. Die semantischen Gedächtnisstörungen treten meistens durch Läsionen des Temporallappens auf und greifen nur Teilbereiche des Gedächtnisses an.

Dissoziative Gedächtnisstörung

Die Dissoziative Gedächtnisstörung ist, anders als die retrograde und die anterograde Gedächtnisstörung, nicht physisch sondern psychisch bedingt. Manchmal wird sie als retrograde Gedächtnisstörung diagnostiziert. Doch an Ihren Besonderheiten kann man sie gut von der retrograden Gedächtnisstörung unterscheiden. Diese Besonderheiten sind:

1. Ein Verlust der Erinnerung an wichtige persönliche Informationen, dem ein psychisch äußerst belastendes Geschehen zugrunde liegt.
2. Die Erinnerungslücken verändern sich. Etwas an das sich der Patient am vorherigen Tag nicht erinnern konnte ist für ihn am nächsten Tag klar.
3. Ein vollkommener Identitätsverlust.
4. Wenn man die Möglichkeit der retrograden Gedächtnisstörung ausschließen kann, ist es wahrscheinlich eine dissoziative Gedächtnisstörung.


Die Häufigkeit der Störungen

Diese Form der Gedächtnisstörung tritt äußerst selten auf und beginnt meistens im mittleren Alter. Eine semantische Gedächtnisstörung ist ebenfalls ziemlich selten. Die definitiv häufigste Störung ist die anterograde Gedächtnisstörung. Die retrograde Störung tritt hingegen häufig in Verbindung mit der anterograden Gedächtnisstörung auf.